The Father

Florian Zeller

THE FATHER wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet, Bester Hauptdarsteller und Bestes adaptiertes Drehbuch. Eine herzzerreissende Beziehungsgeschichte und Thriller zugleich mit fantastischem Cast.

Anthony ist 81 Jahre alt. Er lebt allein in seiner Londoner Wohnung und verweigert sich allen Pflegenden, die seine Tochter Anne ihm aufzudrängen versucht. Doch diese Notwendigkeit wird für sie immer dringlicher, da sie ihn nicht mehr jeden Tag sehen kann: Sie hat den Entschluss gefasst, nach Paris zu ziehen, um mit einem Mann zu leben, den sie kürzlich erst kennengelernt hat... Während Anthony versucht, sich mit der aufkommenden Demenz und den veränderten Lebensumständen zu arrangieren, beginnt er, an seinen Lieben, seinem eigenen Verstand und sogar an der Struktur seiner Realität zu zweifeln.

The Father
Oscars

Dauer

97 Minuten

Sprache

E/d/f

Alter

12/10

Genre

Drama

Produktion

2020, Grossbritannien

Besetzung

Anthony Hopkins, Olivia Colman, Imogen Poots, Rufus Sewell

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David Schlittler

Bequem sass ich im Kinosessel, wartete gespannt auf THE FATHER – und liess mich in den darauffolgenden 100 Minuten auf aussergewöhnliche Art von Anthonys Schicksal erschüttern. Wie es die Magie des Kinos verspricht, löste sich zunächst der dunkle Saal um mich herum auf und ich fand mich in einer anderen Realität wieder: In einer schicken, etwas angestaubten Londoner Altbauwohnung. Hier lebt Anthony, die Schlüsselfigur des Films. Durch seine Augen sah ich nun die Welt, an ihm hielt ich mich fest und mit ihm verlor ich immer mehr die Bindung zu Raum und Zeit. THE FATHER erzählt von Anthonys vehementem Aufbäumen gegen sein schwindendes Gedächtnis und von der aussichtslosen Hilfe seiner Tochter. Doch man erfährt nicht einfach von dieser Bürde, sondern trägt sie gemeinsam mit. Schritt für Schritt war ich den trügerischen Spuren, die Anthonys unzuverlässiges Gedächtnis auslegt, gefolgt. Stück um Stück verlor ich mich im unentrinnbaren Labyrinth zerbrochener Erinnerungen. Es ist ein Meisterstück der filmischen Immersion: Das ausgeklügelte Bühnenbild, der eindrückliche Schnitt und das vereinnahmende Schauspiel gehen unmittelbar unter die Haut. Anthony greift nach Orientierung, wir verlieren den Halt und driften von Hochmut, Wut und Liebe zu Angst, Frustration und Verzweiflung. Wir erfahren auf überwältigende Weise, was Demenz bedeuten kann und doch mündet alles in eine fast schon erlösende Erfahrung des Loslassens – bis zum nachdenklichen Aufwachen in der Geborgenheit des Kinosaals.